Kommt jetzt die Jahresendrally?

Das aktuelle Umfeld der Märkte wird getrieben von Angst und Unsicherheiten der Anleger. Wir sehen seit Jahresbeginn auf breiter Front starke Kursrücksetzer. Zinsängste, hohe Inflation, Krieg und Konjunktursorgen beeinflussen die Entscheidungen der Anleger sehr.

Die Berichtsaison ist im vollen Gange. Viele Unternehmen haben ihre Zahlen bereits veröffentlicht. Im amerikanischen Aktienmarkt S&P500 sehen wir ein Gewinnwachstum von immerhin 4%. Man könnte meinen, dass die Ergebnisse ja besser ausgefallen sind als befürchtet. Ein genauer Blick ergibt aber ein anderes Ergebnis. Betrachtet man einzelne Branchen wie beispielsweise den Energiesektor, stellt man fest, dass diese von gestiegenen Energiepreisen erheblich profitiert haben. Die Gewinne der Energiekonzerne sind stark angestiegen. Rechnen wir allerdings diese aufgrund der Sondersituation raus aus dem S&P500, sehen wir ein Minus von gut 3 Prozent im S&P500.

Die Erwartungen für das dritte Quartal wurden allerdings schlimmer befürchtet, als sich herausgestellt hat. Ein Blick auf die Bilanzdaten der Unternehmen und auf das vierte Quartal, kann dazu führen, dass man mit Gegenwind in 2023 rechnen kann. Der Einbruch, der erwartet wurde, ist deutlich schwächer ausgefallen. Blicken wir allerdings auf den Technologiesektor, der sehr stark bei ETF-Anlegern in den Indizes repräsentiert ist, sehen wir hier Risiken für die weiteren Aussichten.

Die Tech-Werte sind sogenannte Wachstumstitel und punkten, wenn sie Wachstum prognostizieren. Wenn das ins Stocken gerät, dann drückt das auf die Kurse. Das haben wir aktuell bei Amazon, Alphabet oder Meta gesehen. Diese Werte haben auch maßgeblich zur Rally beim S&P500, NASDAQ und MSCI World in Zeiten der Niedrigzinsphase beigetragen in den letzten Jahren. Nur sind diese Zeiten vorbei und diese Unternehmen stehen jetzt vor neuen Herausforderungen. Mit steigenden Zinsen, steigen auch deren Fremdfinanzierungskosten und das bremst das Wachstum und deren Erwartungen. In den letzten Jahren verzeichneten diese Unternehmen ein extremes Wachstum, welches in dem aktuellen Umfeld in den nächsten Jahren nicht mehr fortgeschrieben werden kann.

Diese Woche fanden in den USA die Midterms statt. Bei den sogenannten Halbjahreswahlen hatte man auf einen Sieg der kapitalmarktfreundlichen Republikanern gesetzt. Die Aktienrückkäufe ziehen wieder stark an. Es kommen Milliarden USD in den Aktienmarkt zurück, die eine kaufkräftige Nachfrage darstellen. Dazu kommt die Hoffnung, dass die amerikanische Notenbank Fed von der Bremse geht.

 

Vieles spricht also für eine Weihnachtsrally.

Allerdings gibt es auch Wasser im Wein. Die Konjunktur hat sich noch nicht nachhaltig erholt. Wir sehen aktuell immer noch eine Verknappung der Liquidität. Sollte die Konjunktur im neuen Jahr immer noch einen Dämpfer erlitten haben, kann es passieren, dass wir erneut schwächere Quartalsberichte und Aussichten der Firmen für 2023 bekommen und enttäuscht werden.

 

Fazit:

Die Inflation bleibt weiter herausfordernd für die Zentralbanken

Eine Abkühlung der Inflation ist aber zu erwarten

Rezession dürfte für Nachfragerückgang sorgen

Stimmungsindikatoren, Saison-Rhythmus und Bewertungen sprechen für Erholung der Aktien.