Inflation, Omikron und China

„Inflation hatten wir 10 Jahre nicht gehabt, da sehen wir kein Risiko. Das wird immer überbewertet.“ Diesen Satz haben wir in den letzten Jahren immer häufiger gehört. Aber ist diese Situation heute eine andere?

Der Stimulus der Staaten und Notenbanken wird so langsam, aber sicher zurückgefahren. Die Fiskalpolitik bleibt unterstützend, aber weniger expansiv. Die Programme sind weiterhin da. Der Effekt lässt aber nach. US-Präsident Joe Biden hat ein weiteres überparteiliche Programm durch den Senat gebracht, welches vorsieht, in den nächsten Jahren 550 Milliarden USD in Infrastruktur zu investieren. Die großen Sozialprogramme in den USA beginnen auszulaufen. In Europa haben wir über den EU-Wiederaufbaufonds noch im nächsten Jahr einen fiskalischen Anschub.

Unter dem Strich sollte man sich darauf einstellen, dass der staatliche Impuls beginnt sich abzuschwächen. Die Wachstumsgeschwindigkeit bekommt weniger Rückenwind in den kommenden Quartalen.  Es ist aber kein Grund unruhig zu werden, wenn der Staat und die Notenbanken sich zurückziehen werden, weil der Privatsektor in einer exzellenten Situation ist. Die Ersparnisse der privaten Haushalte sind sehr hoch. Dazu ist die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nicht exzessiv. Hier besteht durchaus Potenzial, den Leverage der privaten Haushalte zu erhöhen.

 

Getrieben wurden die hohen Finanzvermögen durch die starken Kurszuwächse an den Finanzmärkten.

Die Vermögen sind seit dem letzten Quartal 2019 bis jetzt um über 20 Billionen USD angestiegen. Das entspricht einmal der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung der USA. Man könnte meinen, das Pulver für den Konsum ist randvoll gefüllt.

Auf der unternehmerischen Seite sehen wir, dass die Investitionsabsichten weiterhin sehr hoch sind. Das ist zu einem auf die erhebliche Nachfrage zurückzuführen sowie auf die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in der Rezession. Das hat dazu geführt, dass die Bilanzen der Unternehmen selten in einen solch einem guten Zustand sind, wie jetzt. Somit haben sie die Opportunität und die finanziellen Möglichkeiten. Halten wir fest, Unternehmen sowie private Haushalte sind in einer guten Verfassung. Wir können davon ausgehen, dass wir nächstes Jahr ein Übertrend-Wachstum bekommen. Aber es verändert sich. Die Dynamik lässt nach.

 

Das größte Risiko sind nach wie vor die Infektionszahlen der Corona Pandemie.

Mutierte Varianten treten immer wieder auf, sowie nun die neue Omikron-Variante. Das dies eine besorgnisorientierte Variante ist, das konnten wir an dem Verhalten der Finanzmarktteilnehmer am Freitag feststellen. Dadurch ist der Dienstleistungssektor am stärksten von Distanzmaßnahmen oder gar Lockdown‘s betroffen. Die Aktienvolatilität ging deutlich nach oben – die Aktienkurse deutlich nach unten. Man kann sagen, dass wir in den nächsten 10-14 Tagen in einer Ungewissheit leben, weil wir nicht viel über Omikron wissen und es keine Datenlage gibt. Sollte Omikron deutlichen Einfluss auf die Pandemielage in Europa haben, dann würde auch die wirtschaftliche Aktivität getroffen werden.

Der nächste Bremsklotz ist Asien.

China schwächelt. China ist mit Abstand die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Wachstum hat erheblich verloren. Im letzten Quartal hatte China Null Prozent Wachstum. Ein bemerkenswertes Ereignis, wenn man bedenkt, dass China in den letzten Jahren um rund 6% im Schnitt gewachsen ist.

Die Ursachen liegen im Stimulus, fiskalpolitischer Maßnahmen, Geldmengenwachstum sowie der Kreditvergabe und nicht in strukturellen Problemen. Man will das Thema in Zukunft mit erhöhter Vorsicht und konservativer angehen. Deutlich sieht man das im Immobiliensektor. Das Kreditwachstum ist enorm zurückgegangen. Hier leiden Unternehmen, die einen hohen Refinanzierungsbedarf haben.

 

Inflation vorübergehend oder nicht vorübergehend?

 

6,2% Preissteigerung ist aktuell natürlich sehr besorgniserregend. Glaubt man den Markterwartungen, prognostizieren diese eine Abschwächung der Inflation. Der größte maßgebliche Treiber der Inflation waren u.a. Energie, Automobile, Flugtickets, Übernachtungspreise und Immobilien.

Dennoch können wir festhalten, dass wir trotz der steigenden Infektionszahlen, Inflation und den Risiken in China einen negativen Realzins von Minus 4,5% in den USA sehen und damit keine Alternative zu Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien und Private Equity haben. Die Lohnpreisspirale wird die Aktienmärkte ebenfalls weiterhin befeuern. Die Zentralbanken sind in Zinserhöhungen gefangen, denn mit steigenden Schulden sinken die Zinsen.

Die Rendite entsteht durch das Einbringen von Kapital in den unternehmerischen Wertschöpfungsprozess. Daher sind die Unternehmensgewinne, bezogen auf das angelegte Kapital, im langfristigen Durchschnitt einer Volkswirtschaft immer höher als die Zinsen. Wäre das anders, würde niemand ein Unternehmen gründen, da es bei gleichhohen Renditen bequemer wäre, das Geld einfach über die Bank anzulegen.

Historisch gesehen erzielen Unternehmensbeteiligungen die höchste Rendite aller Anlageklassen – trotz Inflation. Die Entscheidung, neben Aktien in private, nicht-börsennotierte Unternehmen zu investieren, liegt für sie deshalb auf der Hand.